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STELLUNGNAHME/763: Nachhaltigkeitsomnibus - Verantwortungsabbau statt Entbürokratisierung (WWF)


World Wide Fund For Nature / WWF - 9. Dezember 2025

Pressestatement zum Nachhaltigkeitsomnibus

WWF: Verantwortungsabbau statt Entbürokratisierung bei CSDDD und CSRD


In der Nacht auf Dienstag haben sich EU-Kommission, Rat und Parlament auf eine drastische Abschwächung der europäischen Nachhaltigkeitsgesetzgebung geeinigt. Der WWF Deutschland ist entsetzt über das Ergebnis des Trilogs. Die ursprünglich starken Instrumente für eine zukunftsfähige Wirtschaft wurden ihrer Kernstücke beraubt.

Dazu sagt Laura Niederdrenk, Expertin für Sustainable Finance beim WWF Deutschland:

"Das ist kein Kompromiss, das ist eine Kapitulation vor der Zukunft. Während draußen die Klima- und Artenkrise eskaliert, streichen drinnen die Entscheider:innen genau die Werkzeuge, mit denen Unternehmen sich auf diese Realität vorbereiten könnten.

Die Trilog-Einigung bedeutet konkret: Die Pflicht zu Klimatransitionsplänen - gestrichen. Die umfassende Prüfung von Lieferkettenrisiken - auf ein vages 'Scoping' reduziert. Die EU-weite Haftung - weg. Damit wird aus verbindlicher Verantwortung eine freiwillige Übung bei Gelegenheit. Unternehmen, die längst in zukunftsfähige Systeme investiert haben, werden im Stich gelassen. Die Botschaft ist fatal: Wer vorausschauend handelt, ist bei der EU am Ende der Dumme."

Der WWF fordert: Diese Einigung darf nicht das letzte Wort sein.

Laura Niederdrenk dazu: "Wir brauchen Klimatransitionspläne, die diesen Namen verdienen. Wir brauchen echte Transparenz in Lieferketten. Und wir brauchen eine Politik, die versteht: Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern die Grundlage jeder funktionierenden Wirtschaft.

Die Ratspräsidentschaft feiert die Einigung als sogenannten Abbau von Bürokratie. Aber das ist keine Entbürokratisierung, das ist Verantwortungsabbau. Am Ende zahlen wir alle die Rechnung - in Form von Klimaschäden, verlorenen Arbeitsplätzen und einer Wirtschaft, die den Anschluss an die Zukunft verliert."

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Quelle:
WWF Pressestatement, 09.12.2025
Herausgeber: WWF Deutschland
Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin
Tel.: 030 311 777 - 0, Fax: 030 311 777 - 603
E-Mail: info@wwf.de
Internet: www.wwf.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 12. Dezember 2025

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