Mitwelt-Stiftung-Oberrhein
Veröffentlicht am 09.01.2026 in der Kategorie Landwirtschaft von Axel Mayer
Mercosur & Bauernsterben in Deutschland politisch gewollt? Nur noch 100.000 Bauernhöfe bis 2040? Die echten Ursachen für den so genannten "Strukturwandel"
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Aktueller Einschub aus dem DLF
"Die FRANKFURTER RUNDSCHAU geht auf das Mercosur-Abkommen ein:
'Futtersoja, Fleisch und Verbrennerautos über den Atlantik
verschiffen: Wenn die EU und die lateinamerikanischen Mercosur-Staaten
ihr Freihandelsabkommen abschließen, geht das auch zollfrei. Keine
gute Idee, finden Umweltschutz- und Bauernverbände - zurecht. Das
würde globale Ungleichheit verfestigen. Als ewige Rohstoffexporteure
blieben die Mercosur-Staaten in der Rolle, die ihnen schon der
Kolonialismus aufgezwungen hat. Zusätzlich erwirtschaften die
Mercosur-Staaten Rohstoffe unter deutlich niedrigeren Umwelt- und
Sozialstandards, als es in der EU der Fall wäre. Pestizide,
Antibiotika im Fleisch, die Verdrängung der lokalen Bevölkerung für
den Bergbau: All das handeln wir zollfrei mit. Eine Kooperation
zwischen der EU und den Mercosur-Staaten müsste stattdessen eine
sozial-ökologische Produktions- und Lebensweise forcieren. Dann hätte
sie Unterstützung verdient', befindet die FRANKFURTER RUNDSCHAU."
20.12.2025 - https://www.deutschlandfunk.de/die-presseschau-aus-deutschen-zeitungen-8612.html
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Wer hat von den Bauernprotesten profitiert?
Natürlich die Großen! Die Agrarfabriken, die Agrochemieindustrie, die
mächtigen Landlords im Osten und Norden der Republik und die
Rechtspopulisten. Und wer wird verlieren? Die kleine und mittlere
Landwirtschaft, die Artenvielfalt, das Grundwasser, der Klimaschutz
und die Demokratie.
Gegen aufgebauschte Randprobleme haben die kleinen und mittleren
Bauern gekämpft und dabei die großen Probleme aus den Augen verloren.
Das war politisch so gewollt und perfekt organisiert.
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Der kleinen und mittleren Landwirtschaft (nicht nur) in Deutschland geht es beschissen. Die Erträge stimmen nicht. Es gibt zu viel Arbeit und entsetzlich viel Bürokratie für zu wenig Geld. Wer macht gerne unzählige Überstunden in einer Landschaft, in der immer mehr Spaziergänger mit immer mehr Freizeit immer alles besser wissen? Die Kinder wollen die Höfe nicht übernehmen und die Landwirtschaft hat ein schlechtes Image. Ackerland ist für Konzerne und Investoren eine gute Anlagemöglichkeit und in den letzten Jahren sind die Preise extrem gestiegen. Immer verzweifelter versuchen die Betroffenen mit Gift, Dünger und Wachstum gegen eine internationale Konkurrenz anzugehen, die auf gigantischen Feldern, mit in Europa verbotenen Giften und billigen Arbeitssklaven arbeiten kann.
"You can fool some farmers sometimes
But you can't fool all the farmers all the time"
ziemlich frei nach Bob Marley & Abraham Lincoln ...
Die DZ-Bank erwartet in einer Analyse aus dem Jahr 2024 einen Rückgang
von 256.000 Betrieben im Jahr 2022 auf rund 100.000 Höfe im Jahr 2040.
Im gleichen Zeitraum wird die Durchschnittsgröße eines Betriebs von
64,8 Hektar auf 160 Hektar zulegen.
Bayer-Monsanto, Syngenta, Genlobby, die "Spitzen" von CDU, CSU, FDP &
Bauernverbänden haben kein Interesse an kleinen und mittleren
landwirtschaftlichen Betrieben. Sie träumen und realisieren den
zerstörerischen Traum von der großen, global aufgestellten
Agrarfabrik. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um die Hälfte
zurückgegangen. Auch die AfD, die gerne bauernfreundlich tut, ist in
der Realität eine wirtschaftsliberale Konzernpartei.
Frage: Welche politische Farbe hatte die Mehrzahl der Bundes-Landwirtschaftsminister, als bundesweit innerhalb von 17 Jahren 42 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe starben?
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Globalisierungsverlierer
Wenn der letzte Apfelbaum fällt, dann liegt das nicht am "bösen
Bauern", sondern an einer verfehlten Agrarpolitik. Giftgeduschte, von
Billiglöhnern gepflückte Äpfel aus China füllen unsere Schorleflaschen
und zerstören bäuerliche Betriebe und Natur. Naturschutz &
Landwirtschaft stehen gemeinsam für eine menschengerechte
Globalisierung, bei der nicht nur der Preis zählt!
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Wir schütten den gigantischen chinesischen Markt mit deutscher Milch und deutschen Milchprodukten zu, sagten Anhänger der Globalisierung vor wenigen Jahren. Dem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Schwarzwald hätte diese Idee wenig gebracht, wohl aber den Nachfolgern der ehemaligen Kolchosen im Osten der Republik mit ihren umweltfeindlichen gigantischen Ställen. Doch zwischenzeitlich gibt es auch in China die großen, vollautomatisierten Kuh-Fabriken mit 10.000 Kühen. Diesen zutiefst zerstörerischen Wettlauf kann unsere Landwirtschaft nicht gewinnen. Sie zerstört Natur, Umwelt und landwirtschaftliche Betriebe.
An vielen "Grünen Kreuzen" hing dieses Bauern-Plakat gegen das
Volksbegehren Artenschutz:
https://www.mitwelt.org/temp/landwirtschaft-globalisierung-verlierer_source.jpeg
Doch genau diese, im Plakat kritisierte Form der Globalisierung, ist
von FDP, CDU, CSU und von den Bauernverbänden und Bayer-Monsanto,
Syngenta und Genlobby gewollt. Das Plakat richtet sich gegen die
Umweltbewegung, die eigentlich die Lobby der kleinen und mittleren
Landwirtschaft ist und Globalisierung menschengerecht gestalten will.
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Bauernsterben & das Mercosur Freihandelsabkommen
Das geplante Mercosur Freihandelsabkommen opfert die deutsche
Landwirtschaft auf dem Altar des Freihandels und beschleunigt den
Ausbau der großen globalen Agrarfabrik. Von Seiten der Landwirtschaft
und ihrer Lobbyisten hören wir recht wenig zu diesem Thema, denn die
"Bauernversteher" in CDU, CSU und FDP sind glühende Anhänger des
Freihandels.
Bauernsterben und verfehlte EU-Subventionspolitik (Eine Milliarde
sind tausend Millionen)
Unter den Top-Empfängern der Agrarsubventionen waren auch in 2023
wieder nicht einzelne Landwirte, sondern die Öffentliche Hand,
ehemalige Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften sowie
Agrarholdings. Laut den Auswertungen von Proplanta erhielten 184
Empfänger über eine Million Euro aus dem EU-Agrarfonds. Zuwendungen
über 2 Millionen Euro bekamen 45 Empfänger und Zahlungen von mehr als
5 Millionen Euro gingen an 14 Begünstigte.
https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/agrarwirtschaft/eu-agrarsubventionen-veroeffentlicht-das-sind-die-top-empfaenger-2023_article1717182014.html
"Jedes Jahr verteilt die Europäische Kommission mehr als 50 Milliarden
Euro Agrarsubventionen. Deutschland profitiert nach Frankreich und
Spanien am meisten davon. Mehr als 400.000 Empfänger bekamen
hierzulande seit 2014 gut 53 Milliarden Euro. Die Subventionen gehen
dabei vor allem nach Bayern und Niedersachsen, die in den vergangenen
Jahren zusammen rund ein Drittel der deutschen Subventionen erhalten
haben. (...)
Deutsche Landwirte erhielten im Schnitt für die vergangenen acht Jahre
127.000 Euro. Doch die Schere geht weit auseinander: Das oberste
Prozent der Empfänger erhielt fast ein Viertel aller Subventionen -
also mehr als zwölf Milliarden Euro oder knapp 30.000 Euro pro Betrieb
im Monat. Die gesamte untere Hälfte der kleinen landwirtschaftlichen
Betriebe und Landwirte zusammen dagegen weniger als vier Milliarden.
Das sind gerade einmal 200 Euro pro Betrieb im Monat."
Quelle: Tagesschau 01.12.2022
"2022 wurden insgesamt 6,9 Milliarden Euro aus Brüssel an die rund
270.000 Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland ausgeschüttet. Noch
dazu kamen 2,4 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt, insgesamt sind
das also 9,3 Milliarden Euro an Steuergelder, die Landwirte
bekamen."
Quelle: Münchner Merkur
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Böser Wolf
Bauernsterben & Wolf
Nicht der "böse Wolf" gefährdet die Wanderschäferei [2], auch wenn die
BILD-Zeitung hetzt. Unsere Schäfer sind bedroht durch
Billigschaffleisch aus Neuseeland, durch den Rückgang der
Wiesenflächen und durch die zunehmende Zersiedelung und Zerschneidung
der Landschaft. Der öffentlich ausgetragene Kampf von Bauernverbänden,
von FDP, CDU, CSU & AfD gegen den Wolf ist ein perfekt gemachtes
Ablenkungsmanöver. Die Medien sollten sich in Sachen Wolf nicht
ständig instrumentalisieren lassen, sondern die tatsächlichen
Zusammenhänge aufzeigen.
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Naturschutzbewegung und das Agrarpaket sind nicht die Feinde der
kleinen und mittleren Landwirtschaft in Deutschland. Gerade der BUND,
die Mitwelt Stiftung und die Umweltbewegung sind potenzielle
Verbündete einer insektenfreundlichen, grundwasserfreundlichen,
naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und
zukunftsorientierten Landwirtschaft. Wir müssen den Wachstumswahn
brechen, den Traum von der globalen Agrarfabrik beenden und die
Globalisierung menschengerecht und nachhaltig gestalten. Dazu braucht
es eine andere, neue Agrar- und Subventionspolitik, die nicht nur die
Interessen der großen, deutschen Agrarfabriken und der Investoren
bedient. Und die Landwirtschaft braucht endlich auch gute Preise für
gute, umweltschonend erzeugte Produkte.
"Gutes gesundes Brot, regionaler Wein UND Schmetterlinge für unsere Enkel!" sind eine gemeinsame Aufgabe für Landwirte und Umweltbewegung.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-)BUND-Geschäftsführer
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Kommentar: Mercosur - das Bauernsterben geht munter weiter!
Am Rande des G20-Treffens Ende Juni verkündeten die Europäische Union
und der südamerikanische Staatenbund Mercosur die größte
Freihandelszone der Welt. Diese ausverhandelten Verträge
berücksichtigen vor allem Zoll- und Handelsfragen.
Für uns Bauern bedeutet das großindustrielle Konkurrenz statt
bäuerlicher Landwirtschaft, da Umweltschutzfragen, gesicherte
Qualitätslebensmittel in diesem Freihandelsabkommen anscheinend keine
bedeutende Rolle spielen. Unter dem Motto "Die Beschränkung des freien
Handels schade der Weltwirtschaft" (Zitat Cecilia Malmström) werden
Industriegüter exportiert und Agrargüter wie Rindfleisch unter
fraglichen Produktionsmethoden importiert. Die brutale Liberalisierung
des Agrarmarktes ist eine sehr bedenkliche Entwicklung für unsere
kleinstrukturierte nachhaltige Landwirtschaft.
Was wir dringend brauchen, ist ein fairer und nachhaltiger Welthandel
und nicht profitgierige Wirtschafter, die bestimmen.
Quelle: Maria Mader-Tschertou, SJK-Gemeinschaft der Südkärntner
Bäuerinnen und Bauern
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Landwirtschaft: Bauernsterben, grüne Kreuze, Mais, Vermaisung, Gift, Grundwasser, Gentechnik, Grüne Kreuze & Maiswurzelbohrer auf Mitwelt.org
Nicht ein "Mangel an Gift, Nitrat & zu viele Vorschriften bei der
Massentierhaltung" sind die Gründe für die massiven Probleme der
Landwirtschaft, sondern der massive Druck durch die Globalisierung und
der von Bauernverbänden, Agrarkonzernen, von FDP, CDU, CSU & AfD
gewollte Zwang zur großen globalen Agrarfabrik, der unerfüllbare und
zerstörerische Traum vom ewigen Wachstum.
Bauernsterben - Insektensterben - Rettet die Bienen & Bauern!
https://www.mitwelt.org/bauernsterben-insektensterben-artensterben.html
Massentierhaltung und Antibiotikaresistenz: Was lernen wir aus der
Pandemie?
https://www.mitwelt.org/antibiotikaresistenz-ursachen-massentierhaltung.html
Grüne Kreuze, Bauernsterben & Globalisierung
https://www.mitwelt.org/gruene-kreuze-bauern-sterben-globalisierung.html
Bauer Willi, Agro-Chemie-Lobby, Agrarpaket, Gift, Glyphosat & Grüne
Kreuze
https://www.mitwelt.org/bauer-willi-agro-chemie-lobby.html
Antibiotikaresistenz & Ursachen: Gier, Globalisierung, falsche
Anwendung, Massentierhaltung und Produktion in Asien / Indien
https://www.mitwelt.org/antibiotikaresistenz-ursachen-massentierhaltung.html
Nitrat & Grundwasser am Oberrhein: Dünger & Grundwasserbelastung
https://www.mitwelt.org/nitrat-grundwasser-oberrhein-duenger
Blühstreifen, Ackerrandstreifen: Lob & Kritik
https://www.mitwelt.org/bluehstreifen-ackerrandstreifen-kritik
Mais, Umwelt, Gift & Grundwasser
https://www.mitwelt.org/mais-umwelt-gift-grundwasser.html
Insektensterben, Ursachen, Studien & wissenschaftliche Quellen
https://www.mitwelt.org/insektensterben-ursachen-studien.html
"Land schafft Verbindung" - aber wohin?
https://www.mitwelt.org/land-schafft-verbindung.html
Maiswurzelbohrer: Fruchtfolge statt Pestizid
https://www.mitwelt.org/maiswurzelbohrer-information-pestizid.html
Zunehmende Vermaisung durch Wegfall der Fruchtfolge für Mais?
https://www.mitwelt.org/mais-fruchtfolge-maiswurzelbohrer.html
Kein Genmais in Buggingen: Ackerbesetzung - ein Rückblick
https://www.mitwelt.org/ackerbesetzung-genmais-buggingen.html
Globalisierungsverlierer
Landwirtschaft, Landschaft, biologische Vielfalt:
Globalisierungsverlierer
[1] https://www.mitwelt.org/wachstum-wachstumskritik-information.html
[2] https://www.mitwelt.org/boeser-wolf-schaf-kalb
Originalbeitrag mit zahlreichen Bildern, Anmerkungen und Links:
https://www.mitwelt.org/bauernsterben-insektensterben-artensterben.html
*
Quelle:
Mitwelt Stiftung Oberrhein, 09.01.2026
mit freundlicher Genehmigung des Autors Axel Mayer
Venusberg 4, 79346 Endingen
mitwelt.stiftung(at)gmx.net
https://www.mitwelt.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 23. Januar 2026
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