Umweltbundesamt - Pressemitteilung vom 18. Dezember 2025
UBA-Studie: So gelingt der umweltschonende Solarausbau
Vorrang für Dachanlagen und versiegelte Flächen, Freihalten ökologisch und ökonomisch wertvoller Bereiche: Ein neues UBA-Factsheet zeigt, wie sich mehr Solarenergie natur- und landwirtschaftsverträglich gewinnen lässt
Der Klimawandel schreitet voran und bedroht unsere Lebensgrundlagen - doch wir haben noch Zeit zu handeln. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Photovoltaik. Eine neue Analyse des Umweltbundesamtes zeigt: Wenn wir die benötigten Flächen für Solaranlagen klug auswählen, kann der schnelle Ausbau der Solarenergie gelingen und dabei ökologisch und landwirtschaftlich wertvolle Bereiche erhalten werden.
Ein ambitionierter Ausbau der Solarenergie in Deutschland ist möglich, ohne Natur und Landwirtschaft zu gefährden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA). Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht vor, die Kapazität von Photovoltaik-Anlagen von derzeit rund 112 Gigawatt (GW) bis 2040 auf 400 GW zu erhöhen. Um möglichst wenig Fläche in Anspruch zu nehmen, sind Photovoltaikanlagen auf Dächern die beste Lösung. Um die EEG-Ziele jedoch schnell genug erreichen zu können, sind PV-Anlagen auch auf Freiflächen unverzichtbar.
UBA-Präsident Dirk Messner: "Mit Wind- und Sonnenenergie können wir nicht nur die Erderwärmung aufhalten, sondern uns auch kostengünstig und umweltverträglich aus der Abhängigkeit von klimaschädlichen und teuren fossilen Energien befreien. Es ist jedoch wichtig und möglich PV-Anlagen so zu installieren, dass die Fruchtbarkeit unserer Böden und wertvolle naturnahe Bereiche erhalten werden. Photovoltaik erzeugt pro Hektar auch bei umweltschonendem Ausbau ein Vielfaches an Strom gegenüber Energiepflanzen "das Potenzial für eine effizientere und umweltverträgliche Nutzung unserer Agrarflächen ist entsprechend groß."
Das UBA-Factsheet "Photovoltaik auf dem Acker? - Ein Positionspapier" beschreibt den aktuellen Sachstand zur PV in Deutschland, benennt bestehende Konfliktfelder und schlägt Lösungen für einen umwelt- und landwirtschaftsverträglichen Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen vor.
1. Vorrang für PV auf Dächern, versiegelten oder vorbelasteten
Flächen
PV-Anlagen sollten vorrangig auf Gebäuden, Parkplätzen, Deponien,
Industrieflächen und anderen vorbelasteten Standorten errichtet
werden.
2. Landwirtschaftliche Flächen nur bei Bedarf und nach ökonomischen
und ökologischen Kriterien nutzen
Werden zusätzliche Flächen benötigt, sollten hierfür vorrangig solche
Bereiche genutzt werden, die ökologisch weniger wertvoll sind und eine
geringere bis mittlere Bodengüte aufweisen. Bündelungsoptionen von
verschiedenen Infrastrukturprojekten können die Zerschneidung von
Lebensräumen mindern (z.B. entsprechende Flächen entlang von
Autobahnen). Naturschutzfachlich sensible Flächen sollten freigehalten
werden.
3. Strenge Umweltkriterien für alle PV-Anlagen anwenden
PV-Freiflächenanlagen sollten so errichtet werden, dass sie zu einer
ökologischen Aufwertung der Flächen führen. Hierfür empfiehlt das UBA
bei Baugenehmigungen im Minimum die folgenden Vorgaben:
4. Agri-PV als effiziente Doppelnutzung fördern
Agri-PV-Systeme, die eine landwirtschaftliche Nutzung mit der
Stromerzeugung kombinieren, bieten ein großes Potenzial für eine
effizientere Flächennutzung. Agri-PV können außerdem Klimarisiken für
Landwirte reduzieren, da sie Nutzpflanzen und -tiere vor klimatischen
Beeinträchtigungen (Hagel, Starkniederschläge, Sonnenbrand) schützen
und sehr flächeneffizient Strom erzeugen können.
5. Bioenergiepflanzenanbau zugunsten von PV reduzieren
Das Factsheet verdeutlicht: konventionelle PV-Freiflächenanlagen
liefern auf einem Hektar 28- bis 50-mal mehr Strom gegenüber Mais oder
anderen Energiepflanzen. Auch Agri-PV-Systeme liefern pro Hektar immer
noch ein Vielfaches an Strom gegenüber dem Anbau von Energiepflanzen.
Angesichts dieser enormen Effizienzvorteile empfiehlt das UBA, den
Anbau von Biomasse konsequent zu reduzieren. Die freiwerdenden Flächen
sollten für höherwertige Nutzungen eingesetzt werden - etwa für eine
naturverträgliche Nahrungsmittelproduktion, gezielte
Naturschutzmaßnahmen sowie zur Förderung von Ökosystemleistungen und
der Klimarobustheit landwirtschaftlicher Böden.
Für die Umsetzung der festgesetzten Ausbauziele würden (bei einer gleich starken Nutzung von Dach- und Freiflächen) nur rund 0,5 Prozent der Bundesfläche ausreichen. Daher kann und sollte der PV-Ausbau so gestaltet werden, dass er mit dem Umwelt- und Naturschutz vereinbar ist.
Links
• UBA-Themenseite "Photovoltaik"
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/photovoltaik
• UBA-Themenseite "Photovoltaik-Freiflächenanlagen"
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/photovoltaik/photovoltaik-freiflaechenanlagen
Publikationen
Photovoltaik auf dem Acker? - Ein Positionspapier
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/photovoltaik-auf-dem-acker-ein-positionspapier
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Quelle:
Pressemitteilung Nr. 44/2025, 18.12.2025
Herausgeber:
Umweltbundesamt (UBA)
Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau
Postanschrift:
Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau
Internet: www.umweltbundesamt.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2026
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