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VÖGEL/1229: Das Rebhuhn - Vogel des Jahres 2026 (Naturschutz heute)


NATURSCHUTZ heute - Winter 2025
Mitgliedermagazin des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.

Das Rebhuhn - Vogel des Jahres 2026

Mein Feld gehört mir


von Nicole Flöper

Das Volk hat gewählt: Mit über 81.000 Gesamtstimmen ist das Rebhuhn vor der Amsel zum "Vogel des Jahres 2026" gewählt worden. Damit sichert sich der Vogel den Titel zum zweiten Mal nach 1991. Ob es ihm helfen wird?


Rebhuhn auf dem Teller, das war im Mittelalter ein Genuss. Erst dem Adel vorbehalten waren Rebhühner noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so häufig, dass sie als "Arme-Leute-Essen" galten. Heute ist es eine Delikatesse, die von Züchtern in den Handel kommt. Eine Jagd auf Rebhühner ist auch heute noch erlaubt, jedoch raten die Landesjagdverbände in der Regel davon ab.

Das Rebhuhn ist ein faszinierender Vogel: Er schreitet, wenn er sich bewegt, kann bei Gefahr aber plötzlich auffliegen. sehr schnell laufen oder sich flach auf den Boden drücken. Sie zu beobachten wird aber immer schwieriger, denn die Bestände des Rebhuhns haben seit den 80er-Jahren um 87 Prozent abgenommen. Den heutigen Bestand in Deutschland schätzt man noch auf rund 50.000 Paare. Auf lokaler Ebene ist das Rebhuhn vielerorts ausgestorben: nur 25 Prozent der Jagdreviere melden noch Rebhühner. Der verbleibende Schwerpunkt der Verbreitung sind waldarme Regionen. Die Bundesländer mit den meisten Rebhühnern sind Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hier leben etwa ein Drittel der Rebhühner Deutschlands.

Vom Genuss zur Rarität

Früher noch ein häufig zu beobachtender Kulturfolger -das sind Arten, die sich an den Menschen anpassen - brach der Bestand des Rebhuhns um 1990 stark ein. Dies veranlasste den NABU 1991 das Rebhuhn zum Vogel des Jahres zu machen. Doch das nutze dem Glattfußhuhn (siehe Infokasten) nichts: Die Landwirtschaft hat sich seit den 90er Jahren weiter intensiviert. Junge Rebhühner sind in den ersten Lebenswochen auf Insekten und Spinnen als Nahrung angewiesen, doch der Rückgang der Insekten lässt sie immer weniger Nahrung finden. Der Einsatz von Pestiziden reduziert die Anzahl der Beikräuter und entzieht somit vielen Insekten ihre Lebensgrundlage. Der Einsatz von Insektiziden tötet Insekten direkt. Somit steht kaum noch Futter für die Jungen zur Verfügung, und durch die fehlenden Kräuter mangelt es auch an Futter für die erwachsenen Tiere

Was braucht das Rebhuhn?

Durch den Wegfall der sogenannten Stilllegungsverpflichtung von Äckern sind viele Brachen verschwunden, die das Rebhuhn zum erfolgreichen Brüten benötigt. Prädatoren wie der Fuchs, Greifvögel oder Hunde, verschärfen das Problem. Denn schmale Randstrukturen, wie Ackersäume, in denen Rebhühner brüten, können von ihnen besonders effektiv abgesucht werden. Deshalb sind eine gute Deckung in Bodennähe, weiträumige Flächen und ein gutes Sichtfeld für die Tiere überlebenswichtig. Lineare Strukturen wie Feldränder und Graswege sind aber ebenso wichtig, wenn die Eltern ihre Küken führen. Rebhuhnfamilien sind tagsüber in solchen Strukturen anzutreffen, da sie offene Bereiche und Deckung gleichermaßen bieten. Hohe Baumhecken und Waldränder meiden sie hingegen, da die Sicht dort eingeschränkt ist.

"Das Rebhuhn hat faszinierenderweise eine Besonderheit, was die Brutzeit betrifft", erklärt Eckard Gottschalk, Naturschutzbiologe an der Uni Göttingen. "Rehuhnpaare finden sich im März, aber Paarung und die Eiablage beginnen erst im Mai. Für die Eiablage braucht die Henne drei Wochen, dann kommt nochmal eine dreiwöchige Brutzeit dazu. Sind wir schon bei sechs Wochen. Bis die Küken ausgewachsen sind, vergehen noch einmal 6 Wochen." Ein großer Erfolg war daher die Änderung der Mahdzeiten von Brachen: Landwirt*innen verschieben ihre Mahd von Anfang Juli auf Mitte August. Da viele Rebhühner im Juli noch brüten, wurden sie häufig Opfer von Mähmaschinen.

Eckard Gottschalk ist seit 2023 Teil des Projektes "Rebhuhn retten - Vielfalt fördern!" (siehe Seite 12) und ist ausgewiesener Rebhuhn- Experte. Er hat sich in das Sozialverhalten der Rebhühner sozusagen verguckt, als er welche in einer Voliere aufgezogen hat, und wilde Rebhühner im Rahmen einer Studie mit Sendern untersucht hat. "Es sind sehr soziale Tiere, die im Familienverbund leben. Bei der Partnerfindung wählt die Henne den Hahn. In den ersten Tagen ist diese Verbindung noch wackelig und die Henne kann sich noch für einen anderen Hahn entscheiden. Danach hält die Paarbindung eine ganzes Rebhuhnleben - was zugegebenermaßen nicht so lange ist. Rebhähne können sehr mutig sein und Krähen, Elstern oder Turmfalken attackieren, um die Familie zu schützen."

Das Rebhuhn steht symbolisch für eine vielfältige Agrarlandschaft - Schutzmaßnahmen wie Flächenstilllegung und artenreiche Feldränder sind für den Feldvogel wichtig.


Desaster EU-Agrarpolitik

2017 hatte der NABU versucht in einer großen Agrarkampagne die europäische Agrarpolitik zugunsten des Artenschutzes zu erneuern. Nach drei Jahren intensiver Arbeit kam dann das ernüchternde Ergebnis. Die Reform die eigentlich von 2021 bis 2027 gelten sollte, verzögerte sich so lange, dass 2020 eine Übergangsverordnung verabschiedet wurde. Die Abgeordneten verlängerten das bisherige Fördersystem der GAP ohne substanzielle Änderungen bis 2022. Ausgesetzt in 2024 und für 2025 gestrichen wurde die vier Prozent Brachflächen-Regel, die auch Gottschalk und sein Team unvorbereitet traf. "Wir haben in unserem Projekt mit den Landwirt*innen andere freiwillige Lösungen gefunden, aber zunächst war das für das Projekt eine bittere Pille." Laut Gottschalk brauche Naturschutz vor allem Verlässlichkeit. Auch das Vereinfachungspaket aus Juli 2025 führte zu weiterem Abbau europäischer Umweltstandards. "Auch wir wollen eine Vereinfachung der Regelungen für die Landwirt*innen", sagt Laura Hennigson, NABU-EU-Agrarexpertin, "aber nicht zulasten der Natur und Umweltstandards." Die aktuellen Vorschläge führen laut NABU-Einordnung zu einer Verschlechterung. "Die Biodiversität leidet schon jetzt, und am Ende zahlen wir alle den Preis", so Hennigson.

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Info
Glattfußhühner sind eine Untergruppe der Familie der Fasanenartigen und gehören zur Ordnung der Hühnervögel, zu der weltweit über 250 Arten zählen. In Deutschland sind etwa acht Hühnervogelarten heimisch, darunter vier Vertreter der Glattfußhühner. Charakteristisch für diese Vögel sind ihre unbefiederten Füße und Nasenöffnungen - ein Merkmal, das sie deutlich von den Raufußhühnern unterscheidet. Glattfußhühner bevorzugen offene Landschaften und meiden dichte Wälder. Typisch für sie sind ihre kurzen, kräftigen Schnäbel sowie kräftigen Beine, die hervorragend zum Laufen und Scharren geeignet sind. Wie alle Hühnervögel sind sie an ein Leben am Boden angepasst: Ihre kurzen, gerundeten Flügel ermöglichen schnelle, aber meist nur kurze Flugstrecken knapp über dem Boden. Damit zählen Glattfußhühner zu den bodenlebenden Standvögeln.
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Zurück zum Rebhuhn

Auch 2025 sieht man den etwa taubengroßen und scheuen Vogel recht selten. Doch wer den Rufen des Männchens früh morgens oder spät abends folgt, hat dennoch Chancen sie zu sehen. Der Revierruf des Männchens ist ein schnarrendes girrhäk. Der Kontakt-und Sammelruf ist ein grrriweck oder kirrik. Seinen Namen verdankt das Rebhuhn den lautstarken Alarmrufen, mit denen es bei Gefahr auffliegt. Es ist dann ein durchdringendes "repreprep" zu hören. Das gedrungene, 30 Zentimeter große und 290 bis 470 Gramm schwere Rebhuhn ist dank seines überwiegend braungrauen Gefieders ein Tarnungskünstler. Erwachsene Rebhühner haben eine rost-rotbraune Kopfzeichnung und tragen auf der Brust einen mehr oder weniger stark ausgeprägten dunklen Fleck in Hufeisenform. Hahn und Henne sind im Gelände nicht leicht zu unterscheiden. Die einzige "Extravaganz", die sich nur der Hahn vorübergehend leistet, sind ein paar rote Warzen unter den Augen zur Zeit der Balz (Spätwinter). Das beste Merkmal aus der Nähe sind die Deckfedern auf dem Flügel: der Hahn trägt nur weiße Längsstriche, während die Deckfedern der Henne zusätzlich quergebändert sind.

Das Weibchen baut ihr Nest als Mulde am Boden, bevorzugt gut versteckt. Mitte April bis Juli, mit Schwerpunkt im Mai, legt das Rebhuhn etwa 15 einfarbige, blass-olivbraune bis bräunlich-graue Eier. Nach 23 bis 25 Tagen schlüpfen die Jungen, die mit 13 bis 14 Tagen fliegen können und mit etwa sechs Wochen haben die jungen Rebhühner das Gewicht der Eltern erreicht. Sie bleiben aber bis in den Winter im Familienverband (das nennt sich Kette).

Das Rebhuhn - der Vogel des Jahres 2026 - steht symbolisch für eine artenreiche Agrarlandschaft. Von Schutzmaßnahmen für den Feldvogel profitieren auch viele andere Tiere wie blütenbesuchende Insekten, Feldlerchen und Feldhasen. Die Küken können nur überleben, wenn es rund um das Nest genügend Insekten wie Ameisen, kleine Käfer, Schmetterlingsraupen und Blattläuse gibt.

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"Das Fleisch von Kranichen sollte man nur gelegentlich essen, wenn es einen danach gelüstet, weil sie schwarzes Fleisch haben und demgemäß Schwarzen Gallensaft erzeugen. Rebhühner sind gut, vor allem ihre Brust; gekocht, nicht gebraten, sind sie denen zuträglich, die an Durchfall leiden oder an Dysenterie."
Anthimus, Medicus (ca. um 511/34)
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Bildunterschrift einer der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
Breite Blühstreifen und Altgrassflächen bieten Nahrung und Deckung für viele Arten. Einer zunehmenden Verbuschung dieser Bereiche setzt man eine gezielte Heckenpflege entgegen.

NATURSCHUTZ heute - Winter 2025
https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nh/nh425.pdf

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Quelle:
Naturschutz heute - Winter 2025, Seite 8-10
Herausgeber: NABU, 10108 Berlin
Hausanschrift: Charitéstraße 3, 10117 Berlin
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E-Mail: NABU@NABU.de
Internet: www.NABU.de
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"Naturschutz heute" ist das Mitgliedermagazin
des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) e.V.
und erscheint vierteljährlich. Für Mitglieder
ist der Bezug im Jahresbeitrag enthalten.

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 23. Januar 2026

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