|
||
|
Schattenblick → INFOPOOL → RELIGION → BUDDHISMUS PRESSE/828: Der Svastika - ein faschistisches Symbol? (DMW)Der Mittlere Weg - Nr. 1, Januar - April 2010 Der Svastika - ein faschistisches Symbol? Von Friedrich Fenzl Kürzlich war eine Religionslehrertagung der österreichischen Religionslehrer in Salzburg. Ich hatte 150 Buddhabildchen aus Taiwan besorgt, damit sie die Lehrer an ihre Schüler verteilen könnten. Ein Religionslehrer aus Graz weigerte sich jedoch, sie an seine Schüler zu verteilen: Der Svastika auf der Statue aus der Ming-Zeit könne zu Missverständnissen und zu Anfeindungen seiner Schüler als "Rechtsradikale" führen. Ein anderer Religionslehrer aus Innsbruck wollte die Bildchen nur an "ethno-buddhistische" Schüler (Asiaten) verteilen, nicht dagegen an österreichische, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Ein häufiges Mißverständnis in der westlichen Welt ist es, den Svastika mit dem politischen Symbol einer noch nicht lange zurückliegenden totalitären Epoche, dem Hakenkreuz, in Verbindung zu bringen. So kam vor einiger Zeit aus den USA ein Bericht, daß jüdische Organisationen am "Hakenkreuz" eines buddhistischen Tempels in Kalifornien Anstoß nahmen. Es ist daher an der Zeit, aus buddhistischer Sicht Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Svastika ist in asiatischen Ländern das zweithäufigste buddhistische Symbol nach dem Dharmacakra ("Rad der Lehre"). Das Wort Svastika kommt aus dem Sanskrit, von ihm leitet sich das englische Wort für Hakenkreuz "swastikan" ab. Es ist ein uraltes Heilszeichen fast aller indischen Religionen, Buddhismus, Hinduismus, Jainismus und angeblich sogar der Ur-Religion der Tibeter, dem Bön-Glauben. Man findet ihn auf Statuen, Tempelwänden, Büchern und Kultgeräten. Auf japanischen Stadtplänen markiert es den Standort eines buddhistischen Tempels, ähnlich wie das Kreuz auf europäischen Stadtplänen den Sitz einer christlichen Kirche oder eines Klosters anzeigt. Der Autor dieses Artikels sah es auf dem Dachfirst eines Tempels in Seoul (Südkorea) und auf der Brust einer Buddhastatue aus der chinesischen Ming-Periode (15. Jh.). Auch den Kopfteil des ersten buddhistischen Flugblattes in deutscher Sprache ziert ein Svastika.
Quelle: "Der Mittlere Weg - majjhima-patipada" erscheint veröffentlicht im Schattenblick zum 26. Februar 2010 |