|
||
|
Schattenblick → INFOPOOL → RELIGION → BUDDHISMUS PRESSE/809: Aktuelles zur Wiedereinführung der vollen Nonnenordination (Tibet und Buddhismus)Tibet und Buddhismus Nr. 92, 1/2010 Aktuelles zur Wiedereinführung der vollen Nonnenordination Von Carola Roloff Der internationale Kongress zur Wiedereinführung der vollen Nonnenordination 2007 in Hamburg brachte einiges in Bewegung. Am 22. Oktober 2009 hat der Ehrw. Ajahn Brahm in Australien vier Frauen zu Bhikkhunis ordiniert. Sein Vorstoß löste ein geteiltes Echo aus. Carola Roloff berichtet über den Stand der Dinge. Der vom Buddha gegründete Nonnenorden wurde, anders als der Mönchsorden, nicht von Indien nach Tibet überliefert. Texte belegen jedoch, dass es vom frühen 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert in Tibet eine größere Zahl Bhiksunis [Nonnen, welche die höchste Weihe erhalten haben, Anm. der Red.] gab. Spätestens im 17. Jahrhundert verschwinden die Bhiksunis von der Landkarte der Geschichte. Die Authentizität ihrer Ordination wurde in Frage gestellt, weil keine vollordinierten Nonnen an der Ordination beteiligt waren. Ähnlich war die Situation in Ländern des Theravada. In Sri Lanka zum Beispiel ist der Nonnenorden im 11 ./12. Jahrhundert ausgestorben. Nur in einigen Ländern Südostasiens wie Taiwan, Vietnam und Korea haben die Nonnenorden überlebt. Seit knapp 40 Jahren nehmen westliche, aber auch einige asiatische Buddhistinnen ihre volle Ordination dort. Die Wiederbelebung der Nonnenordination war 2007 Hauptthema auf dem Internationalen Kongress zur Rolle der Frau im Sangha (vgl. Tibet und Buddhismus, Nr. 79 und 83). Aus Sicht mancher Teilnehmer hat der Kongress keinen Durchbruch gebracht, aber das stimmt nicht ganz. S.H. der Dalai Lama hatte darauf aufmerksam gemacht, dass es bereits Nonnen in der tibetischen Tradition gibt, welche die Bhiksuni-Ordination entsprechend der Dharmagupta-Tradition [in China, Taiwan, Korea, Vietnam verbreitet, Anm. der Red.] erhalten haben. Er schlug vor, die wichtigsten monastischen Rituale dieser Ordinationslinie vom Chinesischen ins Tibetische zu übersetzen und ermutigte die tibetischen Bhiksunis, diese Praxis als Bhiksuni-Sangha sofort aufzunehmen. Allerdings gibt es bis jetzt nur sehr wenige tibetische Nonnen, die diese Ordination genommen haben. Die meisten sind westliche Nonnen, zum Teil wichtige Lehrerinnen wie Jetsünma Tenzin Palmo und die Ehrw. Thubten Chodron. Offenbar hat der Kongress 2007 in Sri Lanka und Thailand mehr bewirkt als in der tibetischen Gemeinschaft. Bhikkhuni Dhammananda schrieb im August 2009." Die Hamburg-Konferenz löste unter den Theravadin-Sanghas, bhikkhus und bhikkhunis, eine enorme positive Welle aus." In ihrem Tempel gibt es inzwischen zehn Thai-Bhikkhunis. Am 22. Oktober wurden in Australien erstmals vier Frauen von Theravada-Mönchen und -Nonnen der Thai-Tradition zu bhikkhunis ordiniert. Die Verantwortung übernahm der weit geachtete Mönch Ajahn Brahm. Quelle: Tibet und Buddhismus erscheint viermal im Jahr. veröffentlicht im Schattenblick zum 5. Januar 2010 |