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Schattenblick → INFOPOOL → RELIGION → BUDDHISMUS PRESSE/803: Tibetische Literatur heute (Tibet und Buddhismus)Tibet und Buddhismus Nr. 91, 4/2009 Mir selbst ein bisschen fremd: Tibetische Literatur heute Von Alice Grünfelder Traditionell gab es in Tibet vor allem religiöse Literatur. Seit den 80er Jahren entwickelte sich eine weltliche tibetische Literatur; die bis heute in Tibet und im Exil lebendig ist. Alice Grünfelder gibt einen Überblick. "Wir Tibeter sind über die ganze Welt verstreut, einige leben in Amerika und Europa, viele in Indien, und schließlich wir in Tibet. Wir sprechen und schreiben in verschiedenen Sprachen: Englisch, Deutsch, Tibetisch, Chinesisch... Ein zersplittertes Volk, ja, das sind wir," meinte Alai bei einem Gang durch Zürichs Altstadt. Wir hatten mit einem tibetischen Geschäftsmann Käsefondue gegessen, die Unterhaltung war nur mit einem Dolmetscher möglich. Alai ist sich des Gefühls der Entfremdung in mehrfacher Hinsicht bewusst. Doch diese Art der Sprachlosigkeit, keine gemeinsame Sprache mit einem Landsmann zu haben, hat ihm nach dieser Begegnung erneut zu denken gegeben. Auch Tsering Öser (auch 'Wöser'; ihr chinesischer Name lautet 'Weise') konstatiert im Vorwort zur englischen Ausgabe ihrer Essaysammlung Unlocking Tibet die Zersplitterung ihres Volkes." Erst recht beim Schreiben merke ich, wie ich mir selbst fremd bin, sehe, wie viele Tibeter, die ich kenne, mit sich selbst uneins sind, und beobachte eine Spaltung des tibetischen Volkes." Anscheinend kann allein der Antagonismus China versus Tibet nicht mehr die Brüche in den Identitäten der Tibeter erklären, längst driften auch Lebenswelten und Erfahrungshorizonte innerhalb der tibetischen Gemeinschaft auseinander. In der Literatur der Tibeter zeigen sich seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 verschiedene Tendenzen. Geht es den einen um die Wiederbelebung und den Erhalt der Kultur angesichts der dominierenden chinesischen Macht, sind die anderen daran interessiert, eine originäre und zeitgemäße tibetische Literatur voranzubringen; interessanterweise lassen sich diese beiden Tendenzen sowohl im Exil als auch in Tibet feststellen, unabhängig von der Sprache, in der geschrieben wird. Unzählige Textvolumen mit buddhistischen Schriften, mit tantrischen Gesängen und klassischer Poesie bildeten bis in die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts den wichtigsten Korpus des tibetischen Kanons. Nur vereinzelt gab es Texte weltlichen Charakters wie beispielsweise die Liebesgedichte des 6. Dalai Lama, die Schwänke um Drugpa Künleg oder die Reiseberichte von Gendün Chömphel. Einflussreich bis in die jüngste Zeit sind auch die mündlichen Überlieferungen und die volkstümlichen Gesänge, die Geschichten über den kecken Aku Tönba - eine Art tibetischer Till Eulenspiegel - und das Gesar-Epos, das die moderne tibetische Literatur inspirierte. Erzählungen, Essays und Theaterstücke tauchten jedoch kaum auf. Schließlich wurden die meisten Werke dieses Genres von Schreiberlingen im Auftrag der Kommunistischen Partei Chinas geschaffen, die die Huldigung Maos und die Erfolge der chinesischen Volksbefreiungsarmee in den Mittelpunkt stellten. Dennoch sollte nicht übersehen werden, dass die aktive Übersetzungstätigkeit vom Chinesischen ins Tibetische, die Publikation von Zeitschriften in tibetischer Umgangssprache und die Produktion von Propagandafilmen ein Novum waren und die tibetische Sprache bereicherten. Ironischerweise ermöglichte gerade diese ursprünglich allein zu Propagandazwecken errichtete Infrastruktur schon in den Fünfzigerjahren die Modernisierung des Tibetischen. Auch tibetische Mönchsgelehrte nutzten die Gelegenheit, klassische tibetische Texte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Während der Kulturrevolution (1966 bis 1976) kamen diese Tätigkeiten allerdings vollkommen zum Erliegen. Viele Autoren, Übersetzer und Gelehrte wurden verhaftet und in Arbeitslager gesteckt. Nach 1978 dann - der Parteikongress beschloss damals eine liberalere Politik in Tibet - wurden die Überlebenden angewiesen, ihre Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen. Ihre Werke waren die ersten, die in den neu gegründeten Literaturzeitschriften Ende der Siebzigerjahre veröffentlicht wurden. Neue Foren für literarische Experimente Mit der Etablierung der Literaturzeitschriften hatten nun endlich auch junge, weltlich ausgebildete Tibeter ein Forum für ihre literarischen Experimente. Die erste derartige Zeitschrift wurde zwar in Lhasa gegründet, doch schon bald erschienen - aufgrund der politisch weniger angespannten Lage dort - achtzig Prozent der tibetischsprachigen Literaturzeitschriften außerhalb der so genannten Tibetischen Autonomen Region (TAR), in der ungefähr die Hälfte der Tibeter lebt. Die vielleicht wichtigste davon war Leichter Regen (Drangtschar) in Xining, die auch literarische Wettbewerbe ausschreibt und damit wesentlich zur Entwicklung einer modernen tibetischen Literatur beiträgt. Die tibetische Literatur - in Tibetisch und in Chinesisch - erreichte Mitte der Achtzigerjahre einen Höhepunkt. Die Vermutung drängt sich auf, dass die literarische Produktion von tibetischen Texten angesichts der gesellschaftlichen und ökonomischen Reformen in den Neunzigerjahren und der immer dominanter werdenden chinesischen Kultur zurückgeht. Doch das Gegenteil war der Fall - zumindest bis zu den heftigen Unruhen im März 2008 und den noch heute andauernden Repressalien. Dutzende von tibetischsprachigen Journalen werden noch immer verlegt und oftmals aus privater Hand finanziert. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass offenbar Klöstern als Produktionsstätten von literarischen Texten eine wachsende Bedeutung zukommt. Als 1995 tibetischen kulturellen Foren Gelder entzogen wurden (sie waren aufgrund der so genannten Minderheitenpolitik von der Regierung in einer Weise finanziell unterstützt worden, die chinesische Foren gar nicht kannten), rechnete man schon fast mit dem Niedergang der eben erwachten modernen tibetischen Literatur. Doch stattdessen kam es zu einer unerwarteten Renaissance. Die zunehmende Verbreitung von tibetischem Pop und neuerdings auch Rap sowie von Musikvideos mit tibetischen Untertiteln zeigt den Autoren, dass man damit mehr Menschen erreichen kann als mit einem Gedicht, zumal die Analphabetenrate unter der tibetischen Bevölkerung noch immer erschreckend hoch ist. Auch Websites erlauben oftmals eine Publikation an der Zensur vorbei. Angesichts der explodierenden Zahl von Werken - zwischen 2003 und 2006 zählt der Autor Pema Bhum allein 65 inoffizielle Magazine - und der Möglichkeit, Texte selbst zu kopieren und kursieren zu lassen, kann man generelle Aussagen über Tendenzen in der zeitgenössischen tibetischen Literatur nur noch schwerlich treffen. Sicher ist: Die Autoren treten selbstbewusster auf und erreichen über diverse Literaturvermarktungskanäle eine wachsende Leserschaft. Auch der Bruch mit tibetischen Normen sowie die Ablehnung jeglicher Vereinnahmung durch nationalistische Interessen zeugen von einer Emanzipation der Schriftsteller. Tibeter, die in Tibet aufgewachsen sind, erhielten selbst während der dunkelsten Jahre der Kulturrevolution so etwas wie eine rudimentäre literarische Bildung. So kamen sie in Berührung mit Werken von Lu Xun, mit chinesischen Klassikern wie Die Räuber vom Liang Shan Moor, aber auch mit westlicher Literatur in chinesischer Übersetzung. Auf diese Weise fanden Autoren in Tibet recht bald Geschmack daran, die strikten Regeln der tibetischen Literaturtradition aufzubrechen und lustvoll mit diversen literarischen Formen zu experimentieren. Tibetische Literatur, die auf Chinesisch geschrieben wurde, erreichte ihren Höhepunkt ebenfalls Mitte der Achtzigerjahre. Damals lebten Autoren wie Tashi Dawa und Sebo sowie Maler und Theatermacher in Lhasa. Selbst chinesische Intellektuelle schätzten die Stadt als exotischen Schreibort, die Gruppe um den chinesischen Autor Ma Yuan galt sogar als literarischer Salon. Dieser literarische Zirkel sollte die Literatur vor Ort in den folgenden Jahren maßgeblich beeinflussen und lockte auch weitere Intellektuelle wie beispielsweise den Autoren und Lyriker Jangbu von Amdo nach Lhasa, später auch Tsering Öser und Jin Zhiguo. Sollen Tibeter ihre Literatur in Chinesisch schreiben? Mit den Unruhen im März 1989 in Lhasa nahm diese Entwicklung ein jähes Ende: spätestens Anfang der Neunzigerjahre hatten die prominentesten Autoren Lhasa verlassen und viele mit dem Schreiben ganz aufgehört. Im Laufe der Neunzigerjahre wurde die Stimmung aufgrund diverser strenger Erlasse und der Anti-Dalai-Lama-Kampagne ab 1996 immer entmutigender. Schriftsteller, die noch in Lhasa geblieben waren, wie beispielsweise Geyang, flüchteten sich in die Beschreibung der Vergangenheit, um darin Trost für die Gegenwart zu finden. Chinesischsprachige Zeitschriften in Tibet erhalten immer weniger Einsendungen, während bei tibetischsprachigen unzählige Manuskripte eingehen. Nur Alai, der in Osttibet von dieser Entwicklung gänzlich unberührt geblieben war, ging beharrlich seinen Weg; er ist der Einzige, der inzwischen vom Schreiben leben kann und auch außerhalb Chinas mittlerweile recht bekannt ist. Tibeter aber, die Ende der Fünfziger-, Anfang der Sechzigerjahre geboren wurden und eine chinesische Ausbildung durchliefen, mögen sich zwar als Tibeter fühlen, werden jedoch oft genug von der, eigenen Gesellschaft nicht akzeptiert, wenn sie auf Chinesisch schreiben. Diese Gefühle der Entfremdung, der Hilflosigkeit und eben Zersplitterung findet man auch bei Tsering Öser und Geyang, die beide in einer chinesischen Umgebung aufwuchsen und eine chinesische Ausbildung erhielten. Gerade diese "hybriden" Tibeter aber sind es, die in China selbst Gehör finden, wenngleich die eigenen Landsleute ihnen mit Misstrauen begegnen. "Sinisiert, verwestlicht, modernisiert..." Im Exil gestaltete sich die Situation wiederum gänzlich anders, und man kann keineswegs behaupten, die tibetische Exilliteratur lasse sich bis ins Jahr 1959 zurückverfolgen, dem Jahr, in dem der Dalai Lama und mit ihm Zehntausende aus Tibet geflohen sind. Die Tibeter waren bei ihrer Ankunft zunächst einmal einzig darauf bedacht zu überleben und ihre Tradition, Kultur und vor allem ihren Glauben zu bewahren. Verstreut lebten sie in ärmlichen Siedlungen in Indien und auch in Nepal, viele starben im ungewohnten Klima an Krankheiten, die in Tibet unbekannt gewesen waren. Niemand hatte Muße zu schreiben oder sich Gedanken über tibetische Literatur zu machen. Abgesehen davon fanden sich im Exil - die geflohenen Aristokraten und Mönche ausgenommen auch nur wenige, die überhaupt lesen und schreiben konnten. Ein wichtiger Markstein war 1977 die Gründung der ersten englischsprachigen Literaturzeitschrift Young Tibet, später in Lotus Fields umbenannt. Thupten Samphel zum Beispiel gehörte damals neben Jamyang Norbu zum Kreis jener Autoren, denen Literatur wichtiger war als die aktuelle Tagespolitik im Exil. Doch schon 1980 wurde die Zeitschrift wieder eingestellt. Dass die Autoren auf Englisch schreiben, scheint im Exil interessanterweise nie eine Gewissensfrage gewesen zu sein. Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre kamen junge tibetische Intellektuelle nach Indien, darunter auch Pema Bhum, die ihre Vorstellungen von moderner tibetischer Literatur über den Himalaya brachten. Zwar hatte die Literatur im Exil nie den Stellenwert unter den Intellektuellen wie im chinesisch besetzten Tibet, aber neue Ideen begannen, nun auch hier Wurzeln zu schlagen. 1995 richtete das Amnye-Machen-Institute - das sich den weltlichen Aspekten der tibetischen Kultur verschrieben hatte und Übersetzungen von Weltliteratur ins Tibetische anregte - die erste Literaturkonferenz aus. Leider sind wegen mangelnder finanzieller Ressourcen die Aktivitäten des Instituts mittlerweile stark eingeschränkt, und die beiden Initiatoren und Mitbegründer Jamyang Norbu und Pema Bhum leben inzwischen in den USA. Es bleibt zu sehen, ob die von Bhum gegründete Latse Contemporary Tibetan Cultural Library sich als Institution für zeitgenössische tibetische Literatur behaupten kann. Zwar können sich die Autoren im Exil ganz unverblümt politisch äußern und damit vielleicht einen Wirbel wie den "Flügelschlag eines Schmetterlings" erzeugen, so Jamyang Norbu, und schrecken auch nicht vor leiser Kritik am so genannten Mittleren Weg des Dalai Lama zurück wie Buchung D. Sonam. Doch bei vielen dominiert die Sehnsucht nach einem Land, das vor allem die Jüngeren nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen: nach Shangri-la - von Exiltibetern, Westlern und Chinesen gleichsam exotisiert. Der Gedanke, dass der Ort - sei es im Exil oder in Tibet selbst - die Sprache bestimmt und damit auch indirekt die Themen, ist verführerisch. Andererseits zeigt die Gemengelage der literarischen Sujets, dass man sich selbst in der eher politisch ausgerichteten Exilliteratur durchaus kritisch mit der eigenen Gesellschaft auseinandersetzt. Nicht mehr nur die ,anderen, sondern das eigene Volk ist nun am Ausverkauf der tibetischen Kultur und an ihrem Niedergang beteiligt. Zwar beschäftigen Themen wie Tradition versus Moderne sowie die zunehmende Ökonomisierung der Verhältnisse die Autoren nach wie vor, doch die Erzählerhaltung ist weniger eindeutig als noch in den Achtzigerjahren. Die Tibeter scheinen sich diesbezüglich "emanzipiert" zu haben. Damals entstand auch der polemisch gehaltene Essay Der schmale Pfad von Döndrub Gyel. Ihm geht es darin vor allem um die Modernisierung Tibets - und zwar von innen heraus und nicht von außen aufgezwungen. Der Pfad evoziert beim Ich-Erzähler zwar nostalgische Erinnerungen an seine Kindheit im Dorf, doch gleichzeitig steht er für die Engstirnigkeit und den Konservatismus der tibetischen Gesellschaft. Döndrub Gyel spielte eine Vorreiterrolle für die moderne tibetische Literatur, und dieser Essay galt als Signal zum literarischen Aufbruch. Dass er selbst den Konsequenzen seiner provokanten Forderungen nicht gewachsen war - vom tibetischen Klerus angefeindet, vom chinesischen Staat isoliert - und in der zugespitzten Situation nur Selbstmord als einzigen Ausweg sah -, zeigt, wie wichtig diese Fragestellung und wie brisant diese Diskussion für die Tibetergemeinschaft war. Obwohl viele Autoren heute in kleinen oder mittelgroßen Städten leben, spielen doch die Erzählungen vorwiegend in einer ländlichen Umgebung. Ist diese antizipatorische Nostalgie gar eine Reaktion auf die rasanten ökonomischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, mit denen viele nicht mehr mithalten können und schlicht unter die Räder einer Gesellschaft kommen, von der sie nicht mehr begreifen, wie sie funktioniert? Der binäre Code Chinesen versus Tibeter greift hier nicht mehr, Erfahrungen sind nicht mehr deckungsgleich, auch die tibetische Gesellschaft unterscheidet zwischen Gewinnern und Verlierern. Unterschiedliche ökonomische Möglichkeiten bestimmen die Lebensverhältnisse in Abhängigkeit von sozialen und politischen Faktoren, die wiederum von der chinesischen Regierung vorgegeben werden. "Sinisiert, verwestlicht, modernisiert oder was auch immer," schreibt Tsering Öser. Jedenfalls scheinen auch die Differenzen innerhalb der tibetischen Gesellschaft unüberbrückbar. Das System verlangt eine Anpassung in solch hohem Grad, dass Verbiegungen von Charakteren oder rücksichtsloses Ausleben der eigenen Wünsche nicht nur in der Literatur wiederzufinden sind. Auffällig ist, dass die Absurdität des Alltags immer wieder in Erzählungen aufgegriffen wird, die auf Tibetisch geschrieben werden, aber eine literarische Verschlüsselung brauchen." Hinter der Verschwommenheit der Bilder hört derjenige, der genau hinhört, genug, um sie zu verstehen, und derjenige, der nicht spricht, sagt nicht zu viel, um nicht sein Leben aufs Spiel zu setzen. Bis heute übt die Poesie eine politische Funktion aus, die darin besteht, einen Sinn durchscheinen zu lassen, der nicht anders ausgedrückt werden könnte, ohne den zu gefährden, der ihn formuliert," sagt François Jullien über literarische Verfahrensweisen in China. Es ist auch tibetischen Autoren durchaus möglich, heikle Themen anzusprechen, indem sie innovativ und kreativ innerhalb der gesetzten Grenzen literarische Freiheiten ausloten. Nur sind Verfremdung, Satire und magischer Realismus nicht mehr nur bloße stilistische Spielereien, sondern literarische Überlebensstrategien. Noch fürchtet die Kommunistische Partei Chinas die Macht der Literatur. Warum sonst werden die Werke von tibetischen Autoren wie beispielsweise Tsering Öser verboten (ihre Bücher werden seit 2003 in Taiwan publiziert), warum darf sie nicht mehr als Redakteurin arbeiten und steht immer wieder unter strenger Beobachtung? Trotz der Diskrepanz tibetischer Lebenswelten überrascht es, dass in Tibet und auch jenseits des Himalaya und über sämtliche Sprachgrenzen hinweg ähnliche Fragestellungen auftauchen. Das Unbehagen in der eigenen und der fremden Kultur, das stete Wissen darum, nie wirklich dazuzugehören, im extremsten Fall eben immer ein entwurzelter Flüchtling zu sein, macht die Tibeter in der Tat im mehrfachen Sinne zu modernen Nomaden des 21. Jahrhunderts. Alice Grünfelder studierte nach einer Buchhändlerlehre Sinologie und Germanistik und verbrachte zwei Jahre als DAAD-Stipendiatin in Chengdu, Provinz Sichuan in China. Sie unternahm zahlreiche Reisen nach Tibet und arbeitete u.a. drei Monate als Dolmetscherin in Osttibet. Sie arbeitet als Herausgeberin, Lektorin und Literaturagentin in Zürich. Tipps zum Lesen:
Interessante Websites: www.highpeakspureearth.com www.jamyangnorbu.com woeser.middle-way.net www.raggedbanner.com www.latse.org Quelle: Tibet und Buddhismus erscheint viermal im Jahr. veröffentlicht im Schattenblick zum 5. November 2009 |