Deutsche Aidshilfe - 20. November 2025
Steigende Infektionszahlen sind kein Zufall
Kürzungen bei Aufklärung und Drogenhilfe führen zu Infektionen. Funktionierende Präventions- und Testangebote in vollem Umfang einsetzen!
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist im Jahr 2024 gestiegen. Auch die Zahl der Menschen, die noch nichts von ihrer HIV-Infektion wissen, hat erstmals wieder zugenommen. Das geht aus dem heute veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. [1]
Dazu erklärt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe (DAH):
"Der Anstieg ist noch moderat, aber sehr ernstzunehmen. Wir müssen jetzt gut erprobte Maßnahmen verstärkt zum Einsatz bringen und neuen Anforderungen anpassen. Insbesondere Länder und Kommunen müssen mehr tun, statt weniger, wie es gerade an vielen Orten geschieht. Wo in Prävention und Drogenhilfe gekürzt wird, sind steigende Infektionszahlen die logische Folge. Kürzungen müssen zurückgenommen, Präventions- und Testangebote verstärkt werden, dann können die Zahlen auch bald wieder sinken."
Besonders wichtig ist dabei:
Schätzungsweise 8.200 Menschen wissen laut RKI noch nichts von ihrer HIV-Infektion; nur 92 Prozent der Menschen mit HIV in Deutschland haben bereits eine Diagnose (UNAIDS-Ziel für 2025: 95 Prozent). Zugleich wird ungefähr ein Drittel der HIV-Diagnosen erst gestellt, wenn das Immunsystem schon schwer geschädigt ist - oft wird gleichzeitig Aids diagnostiziert.
"Die weiterhin hohe Zahl später Diagnosen und die wachsende Zahl von Menschen, die noch nichts von ihrer HIV-Infektion wissen, macht uns Sorge. HIV sollte so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. So wird die Gesundheit geschützt, weitere Übertragungen werden verhindert. Darum gilt: Wer ungeschützten Sex hatte, sollte sich auf HIV und andere Infektionen testen lassen", so DAH-Vorstand Sylvia Urban.
Nach Schätzung des RKI infizierten sich im Jahr 2024 insgesamt 2.300 Menschen neu mit HIV - etwa 200 mehr als im Jahr zuvor. Schwule und bisexuelle Männer machen mit 1.300 Fällen (+100) etwas mehr als die Hälfte aus, heterosexuelle Übertragungen gab es in 590 Fällen (+45), 400 Übertragungen (+60) betrafen intravenös Drogen konsumierende Menschen.
Im letzten Jahr lagen die Zahlen bereits wieder auf dem Niveau der Zeit vor der Covid-Pandemie, während der es einen Rückgang gegeben hatte. Der vorherige Rückgang bei schwulen Männern setzte sich nun offenbar nicht fort. Bei den intravenös Drogen konsumierenden Menschen ist seit 2010 ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
"Die Entwicklung der Neuinfektionen ist kein Zufall", fasst DAH-Vorstand Sylvia Urban zusammen. "Sie spiegelt direkt wider, ob die Angebote möglicher Schutzmaßnahmen ausreichen. Unser Ziel muss sein, den Trend wieder umzukehren."
Anmerkung:
[1] https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/47_25.pdf?__blob=publicationFile&v=4
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Quelle:
Deutsche Aidshilfe
Pressemitteilung vom 20. November 2025
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am zum 29. November 2025
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