Alexander Hagelüken: Die Ökonomie des Hasses
Wie Trump, AfD & Co. unseren Wohlstand zerstören.
von Klaus Ludwig Helf, Dezember 2025
Wenn Wählerinnen und Wähler rechtspopulistische Parteien an die Macht lassen, dann richten diese oft dramatische politische, ökonomische und soziale Schäden an. Alexander Hagelüken, Wirtschaftsredakteur bei der Süddeutschen Zeitung, beschäftigt sich in dem vorliegenden Band vor allem mit der Frage, welche wirtschaftlichen Konsequenzen der Aufstieg der Rechten auslösen kann. Ein Thema, das bislang wenig öffentliche Beachtung fand, obwohl viele Menschen nicht nur aus völkischen, rassistischen und autoritären, sondern auch aus wirtschaftlichen und sozialen Motiven rechts wählen.
Der Band gliedert sich in drei Hauptkapitel, Danksagung, Quellennachweis und Autorenportrait. Teil 1: Warum so viele Menschen rechts wählen. Teil 2: Was Rechte anrichten (u.a. Trumps Zollinferno, EU-Ausstieg, Klima- und Migrationspolitik, Steuersenkungen für Reiche), Teil III: Wie man Wähler der Rechten zurückholen kann (u.a. neue Politik gegen rechts, Politik für die Mehrheit, Gesellschaftsvertrag für Migration).
Alexander Hagelüken kann anhand vieler Studien und eigener Recherchen überzeugend darlegen, dass die Rechten den Wohlstand zerstören und die Ungleichheit noch verschärfen. Er selbst und sein Kollege haben in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die ökonomischen und sozialen Wahlversprechen der AfD aufgelistet und kritisch durchgerechnet und kamen zu erschreckenden Ergebnissen. Demnach würde sich z.B. die soziale Ungleichheit um 3%, das Armutsrisiko um 13% erhöhen. Von den AfD-Vorschlägen zu Steuern, Klimageld und Mindestlohn profitierten weder Niedrigverdiener noch die Mittelschicht, sondern die Top-Verdiener ab ca. 12.000 EUR brutto im Monat mit einem jährlichen Plus von 8%. DIW-Präsident Markus Fratzscher ist der Überzeugung, dass das AfD-Ziel eines schlanken Staates auch zu massiven Kürzungen vor allem im Bereich der Bildung und der Infrastruktur führen werde und dies treffe vor allem Menschen mit geringem Einkommen und strukturschwache Regionen. Die versprochenen Steuersenkungen für Top-Verdiener und niedrigere Verbrauchssteuern und ähnliches würden eine Lücke von 180 Milliarden Euro in der Staatskasse reißen, die kaum ohne drastische Einsparungen im Sozialbereich zu stemmen wären, zumal die AfD an einer strikten Schuldenbremse festhält und Vermögenssteuern ablehnt.
Die demokratische Mitte habe gute Chancen, den Rechten mit einer neuen Politik etwas entgegenzusetzen: "Denn was die Rechtspopulisten den Wählern anbieten, ist vor allem Antipolitik. Eine Ökonomie des Hasses, die Wohlstand, Einkommen und Sicherheit zerstört, die sie zu schützen vorgibt" (S.169). Hagelüken gelingt es überzeigend nachzuweisen, dass gerade die wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen der AfD den Interessen eines Großteils ihrer eigenen Wählerinnen und Wähler schaden würde. Doch wie lassen sich diese womöglich zurückgewinnen? Welche Ansätze gibt es? Eine offene und ehrliche Kommunikation (Fehler der eigenen neoliberalen Politik benennen, den Nöten und Sorgen der Menschen zuhören) und die Wiederbelebung des Gemeinschaftsgefühls (Zuversicht statt Alarmismus, Gefühl von Heimat und Solidarität als konstruktive Alternative zu fremdenfeindlichem Nationalismus) seien basal für eine neue Politik gegen rechts. Statt die AfD zu dämonisieren oder sich an deren Rhetorik oder gar deren politischen Positionen anzupassen, sollten die demokratischen Parteien der Mitte ihre politischen Inhalte neu ausrichten, den Alltagssorgen der Menschen zuhören und mit demokratischen Emotionalisierungen Inhalte und Programme vermitteln.
Sie müssen außerdem - so Hagelüken - eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik formulieren und umsetzen. Dazu gehörten vor allem eine Wandlung zum "kümmernden Staat", der Leistungen verbessert und wirtschaftliche Macht begrenzt. Dringend sei eine Stabilisierung der Wirtschaft mit Investitionen, eine tiefgreifende Reform des Systems der Steuern und Sozialabgaben, die Niedrigverdiener und auch weite Teile der Mittelschicht besser stelle, damit mehr Netto vom Bruttolohn übrig bleibe: "Eine Reform, die sich das nötige Geld dafür teils bei jenen holt, die in den vergangenen Jahrzehnten besonders profitiert haben: Topverdiener, Erben hoher Vermögen, Reiche generell und Unternehmen, die zum Beispiel Schlupflöcher bei der Steuer nutzen" (S.181).
Alexander Hagelüken hat mit seinem Band eine Lücke in der Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus und der AfD geschlossen. Er hat den Blick geschärft für die Folgen ihrer wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen und im abschließenden Kapitel weitreichende und energische Vorschläge unterbreitet, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die politischen Parteien der Demokratie zurückzugewinnen: "Um zu verhindern, dass sich das Autoritäre weiter ausbreitet, bedarf ist einer neuen ökonomischen Politik" (S. 246).
Alexander Hagelüken:
Die Ökonomie des Hasses.
Wie Trump, AfD & Co. unseren Wohlstand zerstören.
Dietz Verlag, Bonn 2025
272 Seiten, 26 Euro.
ISBN 978-3-8012-0701-4
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Quelle:
© 2025 by Klaus Ludwig Helf
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. Dezember 2025
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